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Trace: friedberg

Erfahrungsbericht: Radfahren in Friedberg

Im Folgenden möchten wir uns mit dem Fahrrad auf eine kleine Tour durch Friedberg im Wetteraukreis bewegen.

Verlauf der Route

Hin: von Süden nach Norden durch Friedberg

Wir beginnen unsere Fahrt am Elvis-Presley-Denkmal und fahren nach Norden in Richtung der Friedberger Innenstadt. Der Asphalt ist glatt und einwandfrei, zumindest auf der Fahrbahn. Wir hingegen fahren auf einem benutzungspflichtigen Geh- und Radweg, der offensichtlich schon länger nicht mehr gepflegt wird. Das Verkehrszeichen 240 ist seit der StVO-Novelle 1992 nicht mehr gültig.

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Im weiteren Verlauf ist der Asphalt etwas glatter und mit roter Farbe ein Radweg markiert, der in eleganten Bögen um die Ampelmasten geleitet wird. So fahren wir bis zur Mainzer-Tor-Anlage, wo wir aufgrund einer roten Ampel warten müssen. Nach einiger Zeit fällt uns auf, dass sich der Auslöser der Ampel auf dem Gehweg befindet. Wir drücken und warten auf Grün, schaffen es auf die Verkehrsinsel und müssen dort wieder auf eine Grünphase warten. Ein anderer Radfahrer ist so freundlich, auf dem Gehweg zu fahren und den Knopf an der Ampel zu drücken.

Die Ampel wird wieder grün, weiter geht's! Ein Verkehrszeichen auf dem Radweg kündigt eine Baustelle an. Plötzlich enden der Gehweg und der Radweg. Aufgrund der fehlenden Beschilderung ist die Verkehrsführung unklar.

Fußgänger können, sofern sie keinen Rollator, Kinderwagen oder anderes sperriges Gepäck haben oder Gegenverkehr kommt, hinter dem Absperrgitter die Baustelle passieren. Wir warten auf eine Lücke im Verkehr und fahren auf der Fahrbahn bis zum Ende des Radwegs am Goetheplatz. Komischerweise hat die Ampel eine kombinierte Streuscheibe für Fuß- und Radverkehr. Wer nicht schon vorher mit dem Fahrrad auf die Fahrbahn gewechselt ist, muss nun diese Ampel beachten und wird auf den Gehweg geleitet. Dort muss man schieben und nach dem Kreuzungsbereich versuchen, wieder auf die Fahrbahn zu gelangen.

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Wir folgen weiter der Kaiserstraße und fahren durch die Innenstadt. Rechts und links gibt es viele Geschäfte, entsprechend viele Falschparker und der Verkehr stockt. Glücklicherweise können wir auf dem Schutzstreifen vorsichtig rechts vorbeifahren, müssen dabei aber immer den Falschparkerverkehr im Auge behalten. Es kommt gerne vor, dass Autos plötzlich aus der wartenden Schlange ausscheren und nach rechts fahren, ohne auf den Radverkehr zu achten. Nach der Einmündung zur Wolfengasse verschwindet der Schutzstreifen wieder.

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Einmal rund um die Burg

Bis zur Burg fahren wir nun im Mischverkehr auf der Fahrbahn. Die Kaiserstraße endet und wir gelangen auf die Gießener Straße, die in einem Bogen rund um die Burg führt. Aus dem Augenwinkel können wir nun sehen – oder auch nicht –, dass auf der linken Straßenseite der benutzungspflichtige Geh- und Radweg liegt. Wie wir dorthin gelangen sollen, ist unklar. Es ist auch nicht ausgeschildert, dass der Radweg in beiden Richtungen benutzt werden muss und mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Zwischendurch endet der Radweg, nur um nach einer Fußgängerampel wieder zu beginnen. Wir biegen nach rechts Am Burgsberg ab, indem wir in einer unübersichtlichen S-Kurve erst einen hohen Bordstein und dann die drei Fahrstreifen der Fahrbahn überwinden und fahren wieder nach Süden, wo wir auf Höhe der Stadtkirche Unserer Lieben Frau wieder zurück auf die Kaiserstraße gelangen.

Zurück: von Norden nach Süden durch Friedberg

Auf der Kaiserstraße fahren wir diesmal in südlicher Richtung. An der Sparkasse müssen wir die Fahrbahn verlassen, so verlautet uns das seit 1992 ungültige Verkehrszeichen 241. Kurz darauf werden wir auf einen gemeinsamen Geh- und Radweg geleitet. Er ist sehr schmal, rechts sind Hauseingänge und Werbeschilder, links temporäre Verkehrszeichen, der Untergrund ist deutlich schlechter als auf der Fahrbahn. Fuß- und Radverkehr, häufig auch Falschparker, drängen sich auf engstem Raum.

An der Kreuzung zur Gutenbergstraße, Homburger Straße, Mainzer-Tor-Weg und Frankfurter Straße endet der Radweg ohne Vorwarnung – oder auch nicht. Jedenfalls ist dort plötzlich eine Fußgängerampel und es ist unklar, wie es nun weitergehen soll. Wer dem Straßenverlauf auf der Frankfurter Straße folgen möchte, muss nun an der Ampel warten, um die Straßenseite zu wechseln, dann noch einmal an der Ampel warten, um den Mainzer-Tor-Weg zu überqueren, dann als Geisterradler bis zur nächsten Ampel fahren, dort wieder warten, dann die Straßenseite wechseln und fährt nun wieder rechts auf dem benutzungspflichtigen Geh- und Radweg stadtauswärts.

Wieder hat der Asphalt bereits bessere Tage gesehen. Der Fuß- und Radverkehr teilen sich den knappen Raum am Rande der Straße. An der Einmündung Grüner Weg endet der Radweg. Auch hier ist das Verkehrszeichen seit 1992 ungültig. Wir biegen nach rechts ab, wechseln vom Gehweg auf die Fahrbahn, nur um dann wieder von der Fahrbahn zurück auf einen sehr schmalen gemeinsamen Geh- und Radweg zu wechseln, der – wie sich später herausstellt – sogar ein Zweirichtungsradweg ist. Für Sicherheit sorgt eine Leitplanke. Für Unsicherheit sorgt eine Baustelle im Einmündungsbereich. Zwischendurch begegnet uns wieder ein ungültiges Verkehrszeichen 240.

Kurz vor dem Kreisel endet der Weg und wir werden wieder auf die Fahrbahn geleitet.

Auf der B 455 von Friedberg nach Ober-Rosbach

Zum Schluss fahren wir vom Kreisel Grüner Weg / Homburger Straße auf der B 455 (Bundesstraße 455) nach Ober-Rosbach, Link zur Karte. Eigentlich möchten wir dem Straßenverlauf bis nach Köppern folgen, da es die kürzeste und am besten ausgebaute Verbindung zwischen beiden Orten ist. Der Asphalt ist einwandfrei, die Streckenführung denkbar einfach, nämlich „immer geradeaus“. Den Plan setzen wir jedoch nicht um. Nach 10 Minuten Fahrt mit mehreren Unterbrechungen in Haltebuchten am Fahrbahnrand geben wir auf und fahren in Ober-Rosbach von der B 455 ab. Eigentlich gilt laut § 5 Abs. 4 StVO:

„Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu den anderen Verkehrsteilnehmern eingehalten werden. Beim Überholen mit Kraftfahrzeugen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden beträgt der ausreichende Seitenabstand innerorts mindestens 1,5 m und außerorts mindestens 2 m.“

Davon hat leider nur eine kleine Minderheit der Pkw- und Lkw-Fahrenden gehört – oder es ist der Mehrheit egal.

Etwa ein Viertel hält zwar einen ausreichenden Seitenabstand von mindestens 2 m ein, verstößt dabei aber teilweise gegen andere Verkehrsregeln und ignoriert durchgezogene Fahrstreifenbegrenzungen oder Sperrflächen. Sehr häufig wird trotz Gegenverkehr überholt, bei einigen drängt sich der Verdacht auf, dass sie absichtlich mit möglichst wenig Abstand überholen. Anscheinend hilft es nur, mittig auf dem Fahrstreifen zu fahren.

Natürlich gab es insgesamt deutlich mehr verkehrswidrige Überholmanöver. Hier ist ein „Worst Of“-Video:

(K)eine Alternative zur B 455

Statt auf der B 455 hätten wir auch eine deutlich längere Route über die Feldwege südlich von Friedberg bzw. östlich von Rosbach nehmen können.

Abgesehen von Traktoren und Anliegern gibt es dort nur wenig Kfz-Verkehr. Da Feldwege in erster Linie nicht als Verkehrswege gedacht sind, sondern für landwirtschaftliche Fahrzeuge als Verbindung zwischen den Höfen und den Feldern dienen, stellen sich ganz andere Anforderungen an solche Strecken. Es reicht aus, dass der Untergrund für geländegängige Maschinen befahrbar ist. Brüchige Betonplatten mit Schlaglöchern, Pflastersteine oder unbefestigte Erdpisten erfüllen diesen Zweck. Auch durch Erdbrocken und Matsch verschmutzte oder durch Schnee und Eis bedeckte Wege sind daher vollkommen in Ordnung. In diesem Sinne ist es konsequent, die Bundesstraße als die vom Bund angedachte Verbindung für den Radverkehr zwischen Friedberg und Rosbach anzusehen. Wikipedia sagt hierzu:

Bundesstraßen sind „Fernstraßen (Überlandstraßen) im Eigentum des Bundes, die in erster Linie dem überregionalen Verkehr dienen.“

Wenn da nicht die niedrige Verkehrsmoral und die geringe Kontrolldichte bei Verstößen wäre, so würden wir beim nächsten Besuch in Friedberg wieder die B 455 nutzen. Da mit einer kurzfristigen Verbesserung jedoch nicht zu rechnen ist, bleibt nur die Empfehlung, auf ein geländegängiges Fahrrad und schmutzresistente Kleidung zu setzen und die Feldwege in Kauf zu nehmen oder Friedberg zu meiden.

Zusammenfassung und Fazit

Wir sind mit dem Fahrrad auf der Nord-Süd-Achse hin und zurück durch Friedberg gefahren und anschließend über die B 455 nach Ober-Rosbach. In Friedberg ist das regelgerechte Radfahren zumindest sehr kompliziert und stellenweise gar nicht möglich. Geister-/Gehwegradeln kann häufig beobachtet werden, was auch gar nicht verwunderlich ist, wenn das Radverkehrsnetz in der Stadt genau diese Verhaltensweise antrainiert. Die Beschilderung ist oft veraltet oder schlichtweg falsch. Der Radverkehr wird zulasten des Fußverkehrs trotz mangelndem Platz auf die Gehwege geleitet. An fehlendem Platz auf den Fahrbahnen oder einem besonders gefahrenträchtigen Kfz-Verkehr kann dies anscheinend nicht liegen. Die Frankfurter Straße, Kaiserstraße und Gießener Straße sind sehr breit, der Kfz-Verkehr rollt gerade in der Innenstadt relativ langsam. Es gilt zu prüfen, ob die VwV-StVO eingehalten wird und die Anordnung der Radwege auch heute noch den rechtlichen Bestimmungen entspricht. Die Anbindung an die südlich von Friedberg gelegenen Gemeinden bietet noch viel Potenzial für Verbesserungen.